Der Circus Sonnenstich

ARBEIT UND PROJEKTRAHMEN DES CIRCUS SONNENSTICH

 

 

1.     Die Gruppe und ihre Arbeitsschwerpunkte

Beim Circus Sonnenstich trainieren 15 junge Erwachsene zwischen 19 und 26 Jahren mit sogenannten „geistigen Behinderungen“ zwei Mal pro Woche mit zwei Schwerpunkten.

 

a.      Das artistische Training dauert jeweils 3 Stunden und umfasst die folgenden Disziplinen:

*       Akrobatik (Pyramidenbau und Partnerakrobatik)

*       Diabolo

*       Jonglage mit großen Bällen (Durchmesser 53 cm)

*      Hula-Hoop

*       Kugel-Lauf

*       Rola-Bola

*       Stelzen

*       Trapez (seit 2007)

*       Einrad (seit 2010)

 

  1. Das Tanz- und Bewegungstheatertraining dauert 2 Stunden

 

2.     Ergänzende Angebote zum wöchentlichen Training

In trainingsbegleitenden Workshops erhalten unsere ArtistInnen vertiefenden Unterricht in Artistik und Tanz. Wir organisieren für unsere ArtistInnen pro Jahr 4-5 Wochenendworkshops.

 

Der Zirkus tritt jährlich 10-12 mal im Theater RambaZamba oder bei großen externen Veranstaltungen auf. Drei Beispiele:

Juli 2007             Veranstaltung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales („Jobs ohne Barrieren“) im Musiktheater Atze

Mai 2008  Gastspiel zum 50-jährigen Jubiläum von Aktion Sühnezeichen im Haus der

              Kulturen der Welt

Februar 2010 Auftritt vor 400 Zuschauern in der St. Matthäus-Kirche zur Verbschiedung

              des Superintendenten der ev. Kirche Berlin-Schöneberg

3.     Integrative und inklusive Projektarbeit

In den Jahren 2001-2005 nahmen unsere ArtistInnen an überregionalen, integrativen Circusfestivals teil, in denen sie unter anderem auch die Gelegenheit haben, sich in Luftartistik und Trampolin zu erproben und sich mit Jugendlichen aus verschiedenen Bundesländern auszutauschen. Zusätzlich treten wir in unregelmäßigen Abständen bei Zirkus-Shows anderer Berliner Projekte (zum Beispiel dem ‚Shake‘) oder als Gäste im Berliner Scheinbar-Varieté auf.

 

Der Circus Sonnenstich arbeitet seit 2003 mit dem Potsdamer Kinder- und Jugendcircus Montelino (www.circus-montelino.de) zusammen. Dort trainieren ca. 150 Kinder und Jugendliche und gestalten einmal im Jahr Premieren im eigenen Zirkuszelt. Die Kooperation mit Montelino umfasst den Austausch von TrainerInnen, gemeinsame Auftritte bei Zirkusgalas und Gastspiele im Zelt des Circus Montelino und gemeinsame Familienzirkusprojekte.

 

Seit 2010 nehmen einige unserer ArtistInnen an einem International Youth Circus Camp des süddeutschen Circus Pimparello teil, bei dem sie sich zum Zirkus-Jugendübungsleiter weiter qualifizieren.

 

4.     Jährlich stattfindende Ferienreisen und Trainingscamps seit 2006

Im Sommer 2006 führten wir erstmals Sommer-Trainingscamp bei Lomizil e.V. durch , einem Verein mit einem ausgebauten Bauernhof im Wendland, der für unseren Zirkus optimale Trainings- und Freizeitmöglichkeiten bietet. Im August 2007 bereiteten wir vom 16.8. bis 24.8. 2007 die Premiere zum 10-jährigen Jubiläum des Zirkus vor. Das Sommercamp ist seitdem fester Bestandteil des Trainingsjahres und fand 2010 zum fünften Mal statt.

 

5.     Vom Bildertheater über artistische Zirkusprogramme hin zum Varieté

Der Circus Sonnenstich hat sich seit 1997 kontinuierlich entwickelt. War das erste Programm noch ein theaterorientiertes Programm mit artistischen Elementen und Zirkus-Bildern, so entwickelten wir für das Programm „Strandhotel Amore“ eine inhaltliche Mischung, die zur Hälfte aus Zirkus-Darbietungen und zur anderen Hälften aus szenischen Spielformen mit den Mitteln des Theaters bestand. Der Film „Zirkusliebe“ war ein Zusammenspiel von Ausschnitten unserer Zirkustheater-Show und deren Weiterführung in Spielfilmszenen. Danach arbeiteten wir intensiv daran, szenisches Arbeiten in artistische Darbietungen zu integrieren. So entstand unter anderem eine Liebesszene, die mit den Grundlagen von Partnerakrobatik ausgestaltet wurde. Mit der Premiere 2004 konnten wir so erstmals ein „echtes“ Zirkusprogramm präsentieren, das komplett aus zirzensischen Darbietungen bestand.

 

Im Jahre 2005 begann eine Neuorientierung der Gruppe. Unsere ArtistInnen entwickeln aufgrund ihrer Zirkuserfahrungen und im Zuge ihres Erwachsenwerdens ein neues Lebensgefühl und eine andere Lebenskultur. Sie sind in vielen Bereichen – auch außerhalb des Zirkus – um vieles selbständiger geworden und bringen in die Zirkusarbeit immer mehr ihre eigenen Impulse und choreographischen Ideen ein. Die zunehmende Eigenverantwortung der ArtistInnen, auch im Bereich der Hilfestellung bei Akrobatik-Elementen und beim gegenseitigen Trickerklären (beim Diabolospiel), war Grundlage, dass wir mit ihnen gemeinsam neue Bühnenformen erproben konnten.

 

6.     Besondere Schwerpunkte unserer Zirkusarbeit seit 2006 / 2007

 

1.      Der Circus Sonnenstich arbeitet seit Januar 2006 mit der Schauspielerin Anna-Katharina Andrees zusammen, die speziell auf die Fähigkeiten und Potentiale unserer ArtistInnen zugeschnittene Theater- und Tanzworkshops entwickelt und einzelne Persönlichkeiten individuell auch in Textentwicklung, Musik und Gesang unterstützt.

 

2.      Zentral ist es für uns einen Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen unsere ArtistInnen eigenständig Impulse für Darbietungen und Choreographien entwickeln und so weit als möglich selbständig daran arbeiten.

 

3.      Auf der Grundlage dieser Arbeit entwickeln wir unsere bisherige Zirkusarbeit in Richtung Varieté und Cirque Nouveau weiter – eine Bühnenform, die unseres Wissens bisher in Deutschland mit Menschen mit geistiger Behinderung noch nicht erprobt und somit einzigartig ist.

 

 

4.      Wir verstehen unsere Arbeit als Forschung neuen Präsentationsmöglichkeiten von Zirkuskünsten Seit 2007 arbeiten wir an Darbietungsformen, die fließende Übergänge von artistischen Duo- und Kleingruppendarbietungen zu Gruppenchoreographien beinhalten. Durch das Tanztraining (seit 2009) haben sich noch einmal neue Möglichkeiten eröffnet.

 

5.       Darüber hinaus verstehen wir unsere Zirkus-Arbeit als vitale Plattform für ein selbstbestimmtes künstlerisches Leben von und mit Menschen mit geistigen Behinderungen.

2010 starteten wir hierzu unsere Reihe von Zukunftskonferenzen mit unseren ArtistInnen und deren Eltern, um gemeinsam nach neuen Wegen im beruflichen und künstlerischen Leben zu suchen.